Endet das Grundstudium des SJ 69 in Brühl im Fiasko?

 

Anwärter BundespolizeiLübeck, 11. Dezember 2013

Am 01. September 2012 sind ca. 190 Kolleginnen und Kollegen im 69. Studienjahrgang (SJ 69) in den gehobenen Polizeivollzugsdienst der Bundespolizei eingestellt worden. Nach der Basisausbildung in den Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentren erfolgte das Grundstudium an der Fachhochschule des Bundes, Zentralbereich in Brühl.

Mitten im Grundstudium (nach drei Monaten) trat am 09. April 2013 (BGBl. I S. 963) die Verordnung über den Vorbereitungsdienst für den gehobenen Polizeivollzugsdienst (GBPolDVDV) in Kraft. Somit hat nach der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung die Zwischenprüfung bestanden, wer in allen Klausuren der Module 4 bis 7, mindestens 5 Rangpunkte erreicht hat.

Die Zwischenprüfung fand vom 21. Juni – 26. Juni 2013 statt. Von den 168 gestarteten Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei sind im ersten Anlauf nach unseren Kenntnissen über 70 Kolleginnen und Kollegen durchgefallen, davon allein 59 im Modul 6, die Masse davon in Volkswirtschaftslehre. Das sind über 40 Prozent des gesamten Lehrganges.

Die Wiederholung der Zwischenprüfung des SJ 69 fand in der Zeit vom 21. Oktober bis 25. Oktober 2013 statt.

Am 24. Oktober 2013 war der Termin für die Nachschreibklausur von Modul 6 in Brühl. Betroffen waren, wie oben aufgeführt,  u.a. 59 Polizeikommissarsanwärterinnen und –anwärter des SJ 69, die in der „Erstklausur“ nicht bestanden haben. Die Nachschreibklausur setzte sich aus Volkswirtschaftslehre und Dienstrecht zusammen. Verwunderlich ist, dass das Fach Volkswirtschaftslehre erneut ein Teil der Modulprüfung 6 war.

Dementsprechend könnte sich nun das Ergebnis der ersten Zwischenprüfung massiv wiederholen, dies zeigen die ersten Korrekturen der Prüfungen, welche im Ergebnis der Gewerkschaft der Polizei, Bezirk Bundespolizei, Direktionsgruppe Bundespolizeiakademie bekannt sind. Derzeit werden die Ergebnisse der Wiederholung der Zwischenprüfungen noch zurückgehalten.

Verwunderlich ist aber, dass andere Behörden, welche am Zentralbereich in Brühl ihre jungen Führungskräfte studieren lassen, keine derartigen Ergebnisse „erzielten“.

Man sollte sich somit intensive Gedanken machen, wieso eine so große Zahl an Prüflingen der Bundespolizei im Modul 6 durchfielen und diesen Fakt kritisch hinterfragen.

Einige Studierenden der Bundespolizei teilten uns mit, dass hohe Stundenausfälle, welche auch nicht nachgeholt wurden, ein Grund sind. Andere Anwärter beklagten mangelndes Interesse der Dozenten. So mussten sich wohl unsere Kolleginnen und Kollegen in Brühl anhören, wie „blöd bzw. dumm“ sie sind und wie schön die Zeiten waren, als an der FHB in Brühl noch die Postbeamten unterrichtet wurden.

Erklärungen zu Fragen unserer Kolleginnen und Kollegen gab es wohl leider in den wenigsten Fällen. Man könnte meinen, dass die Probleme unserer Studentinnen und Studenten schlichtweg ignoriert wurden. Zudem gibt es Anzeichen, dass der VWL-Teil der Nachschreibklausur noch schwieriger gewesen sei, als der Teil der ersten Klausur.

Im Prüfungsteil Dienstrecht scheint es, dass die Thematik bzw. die Paragraphen, welche zu prüfen waren, nie behandelt und angesprochen wurden. Die Klausur in Dienstrecht setzte sich aus zwei Fragen zusammen (12 und 36 Punkte Gewichtung). Da gerade zur zweiten Frage (36 Punkte) wohl keine Kenntnisse vorhanden waren, war es ggf. nicht möglich, dass dieser Klausurteil bestanden wurde. Es lässt sich also nicht nachvollziehen, wieso diese Thematik gewählt wurde. Fraglich ist, ob der behandelte Sachverhalt nahezu eins zu eins aus dem Internet kopiert wurde.

Des Weiteren wird an der Fachhochschule des Bundes, Zentralbereich Brühl wohl das Tragen der dienstlichen Uniform durch unsere jungen Kolleginnen und Kollegen durch einige Dozenten kritisch und eher störend angesehen.

Der Zustand an der Fachhochschule des Bundes, Zentralbereich in Brühl und der Umgang mit den Studierenden der Bundespolizei sollte unseres Erachtens genau betrachtet werden.

Es gilt nun die notwendigen Schritte einzuleiten, um im Sinnen unserer jungen Kolleginnen und Kollegen eine Lösung herbeizuführen. Wir bleiben diesbezüglich am Ball.